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Ohne Mundschutz

Dieser Beitrag ist antimikrobiell behandelt und kann problemlos ohne Mundschutz gelesen werden. Mir hat übrigens meine Schwiegermutter einen genäht. Das finde ich sehr nett, dass sie sich da Gedanken um mich gemacht hat. Und ich will ihr nicht unterstellen, dass sie dabei nur an sich dachte, weil sie sicher gehen will, nicht von mir angesteckt zu werden. Nein, so denkt sie nicht. Ganz bestimmt.

Und, wie geht es so mit der Maske? Schon einkaufen gewesen heute? Ich habe mich noch nicht getraut. Vielleicht bekommt man als Krimiautor da auch andere Gedanken impliziert, wenn jemand einen Laden mit einer Maske vorm Gesicht betritt. In jungen Jahren habe ich lange Zeit an Tankstellen gearbeitet. Auch in Nachtschichten. Und das steckt halt noch in mir drin, diese gänzlich anderen Assoziationen, wenn dir Maskierte gegenübertreten. Ja, ich muss zugeben, was diese allgemeine Maskenpflicht angeht, halte ich mich eher auf Seiten der Verschwörungstheoretiker und verteufle diesen erzwungenen Verhüllungserlass. Nur weil dem Söder seine fleischige Lippen-Mund-Kinn-Partie nicht gefällt und er sie lieber hinter einem weiß-blaue gerauteten Stück Stoff versteckt, muss ich diesen Zinnober jetzt auch mitmachen. Außerdem funktioniert die Gesichtserkennung beim Smart Phone nicht, wenn ich das Ding aufhabe. Und mir läuft die Brille ständig an, Kreuzkruzifix! Ich habe ja gehört, eine Damenbinde in die Maske geklebt, soll da helfen. Also ein frische, natürlich, die noch Flüssigkeit aufnimmt. Das kennen wir ja aus der Reklame, wie das funktioniert.

Abgesehen von den Mundschutztextilien haben wir im Haushalt jetzt ja weniger Wäsche. So allgemein. Weil wir gezwungenermaßen nicht mehr viel aus dem Haus gehen, nur noch, wenn es nicht sein muss. Weshalb ich aus den Augen verloren habe, wann es an der Zeit ist, eine frische Jeans aus dem Schrank zu holen. Oder ein T-Shirt. Mal abgesehen von den Unterhosen, fehlt es mir bei der Oberbekleidung mittlerweile schlichtweg an der Wechselkontinuität. Immerzu hängt mir dieser Gedanke an, ach komm‘ die alte Jeans geht ja noch einen Tag. Selbst wenn der Hund einen Pfotenabdruck drauf hinterlassen hat. Sieht ja keiner. Haustür zu, sobald die Hunderunde erledigt ist, und fertig. Und es sind ja nicht nur die Unterhosen. Stelle ich mich gestern auf die Waage – oho! Dann schaue ich in den Spiegel und denke, könntest dich mal wieder rasieren. Und zack, nach der Rasur war das Kilo wieder runter. Was wird sich meine Waage erst freuen, wenn ich in zwei Wochen meinen Frisörtermin habe.

Was bewegt die Gesellschaft diese Woche sonst so? Ach ja, wo ist sie denn jetzt die App? Diese Infektionskettenverfolgungs-App, die man uns schon seit Wochen verspricht und auferlegen will? Beim Thema App komme ich auf einen ganz anderen Gedanken. In Zeiten der Isolation befallen mich ständig völlig abgedrehte Ideen, weil ich halt einfach viel Zeit habe, um übers Wesentliche nachzudenken. Was passiert mit mir? Wohin gehe ich? Aber auch, wohin geht eigentlich die Schildkröte? Bei uns wohnt neben einem Hund und eine Katze auch eine Schildkröte. Jeweils ein halbes Jahr lang, um genau zu sein. Also, da ist sie natürlich das ganze Jahr, aber übers Winterhalbjahr hört und sieht man von ihr ja nichts. Da ist es so wie mit dem nach wie vor ans staatliche Bildungswesen gebundenen Teenager, der auch bei uns wohnt und von dem man seit Beginn der Corona-Krise auch nichts mehr gehört hat, so hat der sich eingegraben in seiner Bude. Er kommt allenfalls mal raus, wenn das WLAN nicht geht. Oder, zum Essen. Das unterscheidet ihn dann wiederum von der Schildkröte, die kommt im Winter gar nicht raus. Da verharrt sie erstarrt in ihrer Schildkrötenvilla im Keller. Jedenfalls ist sie jetzt vor ein paar Wochen wieder aufgetaut – und aufgetaucht. Man kann sie wieder anschauen, was eine recht beruhigende Wirkung hat. Die Gemächlichkeit, mit der sie durchs Schildkrötenleben geht, hat auch für den Beobachter – also mich – was Esoterisches, keine Frage. Im Bayerischen Fernsehen gab es früher immer eine Sendung namens Z.E.N. – Zuschauen – Entspannen – Nachdenken. Dieselbe Wirkung wie diese Ausstrahlung erhält man beim Beobachten der Schildkröte.

Hören tut man sie hingegen nicht, das unterscheidet sie wiederum vom Teenager. Im Verglich ist die Schildkröte hier immer stets bemüht, sehr leise zu sein. Allerdings hört sie selber sehr gut, sogar auf ihren Namen. Kommt, wenn man nach sie ruft, sofern es die Temperaturen zulassen. Jedenfalls, wenn das Thermometer wie in den letzten Tagen über die zwanzig Grad steigt, läuft die Schildkröte viel herum. Und weil ich in manchen Dingen eigenwillig neugierig bin, habe ich ihm mein altes iPhone auf den Panzer geschnallt. Mich interessiert nämlich wahnsinnig, wie viele Schritte sie am Tag zurücklegt. Wobei ich die von der Health-App gezählten Schritte doppelt nehmen muss, weil diese ja auf Zweibeiner programmiert ist. Ein weiterer Vorteil dieses Experiments, ich kann die Bewegungen des Tiers auch zu später Stunde, bei geschwundenem Tageslicht verfolgen, weil immer, wenn es losstapft, fängt das mobile Endgerät auf seinem Rücken zu leuchten an. Wirklich sehr praktisch … NEIN! Das mache ich natürlich nicht! Niemals käme ich im wirklichen Leben auf sei eine Schnapsidee! Niemals würde ich der Schildkröte so etwas antun! Wer jetzt schon die Nummer von PETA gewählt hat, kann wieder auflegen. Und ich schäme mich für meine wirre Fantasie, verstecke mich hinter meiner Maske und beobachte die langsamen Bewegungen der Schildkröte, um runterzukommen. Oooooommmmmm!
Bleiben Sie gesund und in Maßen maskiert!
Ihr Oliver Kern
#kernmachtkunst

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